Ganz offen nennen sich die Potsdamer Neonazis mal „Nationale Sozialisten“ mal ganz einfach „Nationalsozialisten“ und bekennen sich zur Fortführung des Nationalsozialismus. Sei es durch ihre Webseiten im Internet, heidnische Rituale mit Fackeln und Kerzen im Wald, Sticker und Kreidemalereien auf den Straßen oder durch Personen in der Öffentlichkeit wie den NPD-Stadtverordneten Marcel Guse. Ihre Inhalte sind vor allem rassistisch, antisemitisch, sozialdarwinistisch und antidemokratisch. Dies wird dann auch gerne in krude Verschwörungstheorien und pseudo-regional-nationale Verbundenheit verpackt. Muss ja auch alles irgendwie erklärt werden.

"Heldengedenken" am 21.11.2010 auf dem Soldatenfriedhof in Jüterbog

Besonders während der Kommunalwahlen im vergangenen Jahr, sowie dieses Jahr bei der Oberbürgermeister_innenwahl positionierten sie sich stark antidemokratisch und nahmen dabei Anleihen bei antisemitischer Hetzpropaganda, als sie z.B. schrieben und immer noch schreiben „Die Demokraten sind unser Unglück“, was sicher nicht zufällig klingt wie „Die Juden sind unser Unglück.“

Die "Freie Kräfte Potsdam" posieren für ihren Aktionsbericht am 19.09.2010 vor Potsdamer Wahllokalen

Der Antisemitismus der Potsdamer Neonazis tritt zumeist nicht offen zu Tage. Eine vollständige Aufzählung ihrer Anspielungen auf antisemitische Klischees würde hier mehr als den Rahmen sprengen. Offener Antisemitismus zeigt sich unter anderem bei einem Bericht über den Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Sachsenhausen. Die Urheber_innen, die „Alternative Jugend Potsdam“, leugnen hier eindeutig die Shoah.

Personenkult wird auch im Internet praktiziert. So gratuliert Marcel Guse beispielsweise Adolf Hitler im April diesen Jahres zum Geburtstag. In dem einen oder anderen Bericht sind auch Zitate vom neonazistischen Liedermacher Frank Rennicke und sogar von Joseph Goebbels zu finden. Und durchschnittlicher Rassismus, gepaart mit einer nicht geringen Menge an Blut- und Bodenideologie darf natürlich ebenfalls nicht fehlen, sei es durch Artikel, in denen geschrieben wird, dass die Fußballnationalmannschaft der Männer ihnen nicht „deutsch“ genug sei, oder ihre ständige Beteuerung ihres Aufopferungswillen für das so genannte deutsche Volk. Nebenbei halluzinieren sie noch einen Krieg herbei, für den die Jugend sich per Kaderschulung vorbereiten müsse. Sie weisen sich offen als Gegner_innen von Imperialismus und Krieg aus, sehnen sich aber ganz offen nach einer so genannten „Gesamtdeutschen Wiedervereinigung“, die nach ihrem Sinne sicherlich ganz ohne Krieg und ohne Imperialismus ablaufen würde. Denn der Zweite Weltkrieg hatte ihrer Ansicht nach auch schon nichts zu tun mit Imperialismus und Krieg.

So leiert es über viele, furchtbar viele Texte aus dem Hirn der Nazis hinaus – hinein ins so genanntes „Weltnetz“, das ganz offensichtlich noch viel geduldiger ist als Papier, und es bedarf wirklich viel Disziplin ihre stumpfsinnigen, menschenverachtenden Texte mit nervtötender Propagandasprache wirklich bis zum Ende zu lesen, ohne nicht das Gefühl zu kriegen, heulen, lachen oder einfach nur kotzen zu müssen.

Aber nicht nur durch stumpfsinnige Artikel auf den Websites der „Alternative Jugend Potsdam“, „Freie Kräfte Potsdam“ und der „NPD Havel-Nuthe“ macht sich ihre Ideologie breit, sondern auch in den Songtexten der verschiedenen Potsdamer Neonazibands. Hier sind neben Namen wie „Lost Souls“, „Bloodshed“, „Burn Down“ und „Cynic“ besonders „Preussenstolz“ zu nennen. Bei Preussenstolz handelt es sich um eine ziemlich aktive Band, die besonders gut in die organisierte Neonaziszene eingebunden ist. Ihren nächsten Auftritt soll die Band beim sogenannten „Preußentag“ haben. Dieser wurde für den 02. Oktober im Landkreis Barnim vom Landesverband der NPD Brandenburg angemeldet. Hierbei wird unter anderem sichtbar wie dicht diese Band an NPD Strukturen dran ist. So war auch der Schlagzeuger der Band, Daniel Hintze, bei der Gründungsfeier des NPD-Stadtverbands Potsdam anwesend und offenbarte ein Mal mehr die Verbindungen der Band zur NPD.

Neonazistische Musik ist aber auch unabhängig von der Vernetzung und Einbindung in die organisierte rechte Szene durch die entsprechenden Bands eine sehr gefährliche Sache. Denn gerade bei der Suche nach Bestätigung in der Musik spielen die eigenen Erfahrungen der Rezipient_innen eine Rolle, da sich beim RechtsRock hören auf vornehmlich subjektive Art und Weise mit neonazistischen Inhalten identifiziert werden kann. Somit hat die Musik eine wichtige Integrationsfunktion für rechte Cliquen und Gruppierungen. Darüber hinaus hat RechtsRock aber auch immer die Funktion der Ideologievermittlung- und Bestätigung, da hier die einzelnen Bestandteile des Neonazismus beim hören der Musik immer wieder thematisiert und eingeholt werden.

Bezeichnend für die Ideologie Potsdamer Neonazis ist auch ihre offen zu Tage tretende Brüchigkeit. Sie ist in sich nicht schlüssig, sondern weist massive Widersprüche auf, die zumeist ignoriert oder mittels Aktionismus kaschiert werden. So wird sich einerseits über „Graffiti-Sprüher“ aufgeregt und über „Hip-Hop-Gestammel“ und „Schrammelmusik“ hergezogen, andererseits aber stolz von „Gedenkaktionen“ an die Bombardierung Dresdens, mittels eben Graffiti, berichtet und die nicht gerade Volksmusik spielende Band „Preussenstolz“ ist selbstverständlicher und wichtiger Bestandteil der Szene.

Auch wenn viele Aktionsberichte, wie Wanderungen oder Fahrten, sich anfangs noch nach harmloser Heimatromantik anhören, verbirgt sich dahinter meist brutale menschenverachtende Naziideologie, wenn sie beispielsweise mit ihrem Artikel „Ausflug in das Brandenburger Brausebad“ nicht das Spaßbad meinen, sondern auf Gaskammern in den Vernichtungslagern zur NS-Zeit anspielen.

Neonazistische Ideologien sind nicht nur bei jungen, organisierten Potsdamer Neonazis zu finden, sondern auch bei vielen Menschen in unserer Gesellschaft in unterschiedlicher Ausprägung. Es sind Versatzstücke, die deutlich machen, dass es immer noch genug Menschen gibt, die an rassistische Idiotien glauben, so wie es jüngst Sarrazin mit seinem Buch und seinen Zustimmer_innen verdeutlichte. Besonders auch in Potsdam können diese Elemente der Diskriminierung durch den Preußenkult und ihren Anhänger_innen beobachtet werden – wie es Anfang diesen Monats durch den Auftritt des Junge Freiheit Autors Menno Aden für die „Stiftung Preußisches Kulturerbe – vormals Traditionsgemeinschaft Potsdamer Glockenspiel“ deutlich machte. Genau dort, wo die vermeintliche Herkunft hervorgehoben wird, werden Menschen ausgegrenzt, und es entwickelt sich eine „selbstverständliche“ Dynamik.

Wir brauchen keine Heimatliebe, die für Rassismus, Nationalismus, Antisemitismus und anderen ausgrenzenden Scheisz als Nährboden dient! Lasst uns reinquatschen wenn menschenverachtendes Zeug geredet wird! Greift ein!

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Bildquellen:
Bild 1: http://www.spreelichter.info/medien/719/bilder/heldengedenken_2010_05.jpg
Bild 2: http://infoportal-potsdam.net/picture/obw8.jpg