Thomas Pecht am 9. Dezember 2006 in Berlin

Thomas Pecht am 9. Dezember 2006 in Berlin

In den letzten Wochen hat in Potsdam der Neonazi Mario Schober durch sein sportliches Engagement in verschiedenen Sportvereinen der Landes-hauptstadt für Aufsehen gesorgt. Er ist aber nicht der einzige, dem diese Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.

Auch der Potsdamer Thomas Pecht, der seit mittlerweile acht Jahren in der Neonaziszene der Landeshauptstadt aktiv ist, treibt in seiner Freizeit Sport. Momentan spielt er Fußball in der zweiten, gelegentlich auch in der ersten, Männer-Mannschaft von „Eintracht Babelsberg 90“. [1] Dies tut er, in diesem Verein, seit dem Sommer 2007. [2]
Davor spielte er für die zweite Männer-Mannschaft der „Potsdamer Sport-Union 04“. [3]

Thomas Pecht (obere Reihe 3.v.l.) in der zweiten Männer-Mannschaft von "Eintracht Babelsberg 90"

Thomas Pecht, der auch zu den Gründungs-mitgliedern der „Junge Nationaldemokraten“ (JN) Potsdam zu zählen ist, war es, der ab September 2008 die Turnhalle des Schiller Gymnasiums in Potsdam Drewitz wiederholt anmietete. Gegenüber dem Schulleiter gab Pecht an, lediglich Fußball spielen zu wollen.
Doch Fußball ist für den Neonazi Thomas Pecht kein reiner Zeitvertreib, sondern eine Aktivität, die sich gut in (s)eine neonazistische Ideologie integrieren lässt. Dies ist einem Statement der Potsdamer „JN“ vom 25.11.2008 zu entnehmen:

„Da es in Potsdam für nationale und andere Jugendliche keinerlei Perspektiven gibt, wir aber eine aufstrebende Jugendbewegung sind, treffen wir uns schon seit ein paar Monaten zum Fußball. Ganz entgegen der BRD Trägheit wollen wir die müden Knochen in Schwung bekommen und den Körper und Geist in Form bringen. Fußball fördert die Gemeinschaft und ist gut für die Gesundheit.“ [4]

Jedoch wurde die Halle offensichtlich auch anderweitig genutzt. So zum Beispiel am 09.11.2008, als Thomas Pecht gemeinsam mit zahlreichen weiteren Neonazis die Gründungsveranstaltung des „Stützpunktes“ der „JN Potsdam“ feierte. Die „Potsdamer Neuste Nachrichten“ (PNN) titelten diesbezüglich: „Neonazi-Feier zur Pogromnacht“. Hierbei soll nach Informationen der PNN ein ehemaliger Waffen-SS Angehöriger eine Rede gehalten haben. Auch das Lied „Ein junges Volk steht auf“, ein Propagandalied der Hitlerjugend, soll von den anwesenden (Neo-)Nazis gesungen worden sein. [5]

Thomas Pecht ist jedoch nicht der Einzige in seiner Familie mit einer neonazistischen Gesinnung. Sein Bruder Manuel Pecht fiel in der Vergangenheit ebenso mit entsprechenden Aktivitäten und Äußerungen auf. So bedrohte und verletzte er mehrfach alternative Jugendliche im Umfeld des Potsdamer Hauptbahnhofes. Zuletzt bedrängte er auf dem Stadtwerkefest im Sommer 2011, aus einer Gruppe heraus, Antifaschist_innen und drohte ihnen mit Gewalt. Von der Polizei erhielt er dafür einen Platzverweis. Mitlerweile befindet sich Manuel Pecht, unter anderem wegen Erpressung, im Gefängnis.

Thomas Pecht (4. v. l.) am 14. Januar 2012 in Magdeburg (u.a. mit Patrick Danz und Marco H.)

In den letzten Jahren war Thomas Pecht, als wichtiger Akteur der „Freie Kräfte Potsdam“ (FKP), auf zahlreichen Neonaziaufmärschen in der Bundesrepublik unterwegs. Zuletzt am 14.01.2012 in Magdeburg. Hier war er zusammen mit den bekannten Potsdamer Neonazis Gabor G., Dennis H., Heinz-Uwe E., Tobias M., Stefan W., Carsten S., Patrick Danz und Marcel Guse Teilnehmer der Demonstration. [6]

Thomas Pecht führt zu solchen Anlässen fast immer seine Videokamera mit sich. Einerseits wohl um die eigenen Aktivitäten zu dokumentieren, andererseits aber auch, um unliebsame Gegen-demonstrant_innen abzufilmen und dadurch einzuschüchtern.

Thomas Pecht mit Videokamera am 23. Mai 2009 in Luckenwalde - er filmte Gegendemonstrant_innen der NeoNazidemo ab.

Pecht leistet dabei so genannte „Anti-Antifa“-Arbeit. Zu dieser bekannte er sich bereits bei einer Neonazidemonstration am 21.10.2006 in Berlin-Tegel. Hierbei trug er ein T-Shirt der „Anti-Antifa Potsdam“ (AAP) mit der Aufschrift „Antifa abschalten“. Unter anderem die „AAP“ war es, die im Sommer 2005 für eine lange Reihe von gewalttätigen Übergriffen auf alternative Jugendliche in Potsdam verantwortlich war. Diese gipfelten bekannterweise in der Nacht zum 03.07.2005 im sogenannten Tram-Überfall. Auch Thomas Pecht beteiligte sich an diesem Übergriff und wurde deshalb in der Folge vom Potsdamer Landgericht, zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren die auf Bewährung ausgesetzt wurden, verurteilt. [7]

Thomas Pecht mit "Anti-Antifa Potsdam"-T-Shirt am 21. Oktober 2006 in Berlin-Tegel

Der von Neonazis geprägte „Anti-Antifa“-Begriff soll eine Reaktion beziehungsweise eine Abwehrhaltung, gegenüber einer vermeintlichen Bedrohung seitens „der Antifa“, zum Ausdruck bringen. In Wirklichkeit aber ist er Ausdruck einer Einstellung, die politische Gegner_innen gezielt in den Fokus nimmt und sie zu bedrohen und einzuschüchtern versucht. Erst im Dezember vergangenen Jahres wurden vermeintliche Teilnehmer_innen einer Demonstration gegen Neonazis in Potsdam-Waldstadt abgefilmt und die Bilder später auf der Neonazi-Website und Sprachrohr der „FKP“, dem „Infoportal-Potsdam“, veröffentlicht. Verantwortlich für diese Aufnahmen, ist der Potsdamer Neonazi Gabor G. [8] Dieser ist ein langjähriger Bekannter von Thomas Pecht, da sich die beiden seit spätestens dem 21.10.2006 kennen dürften. Hier besuchten sie gemeinsam die oben benannte Neonazidemonstration in Berlin-Tegel.

Es ist unerträglich, dass ein Neonazikader wie Thomas Pecht seit Jahren in Ruhe in verschiedenen Fußballvereinen spielen kann. Wie im Fall von Mario Schober [9] sind auch in diesem die entsprechenden Stellen angesprochen, verantwortungsvoll zu handeln und Konsequenzen folgen zu lassen.

 

[1] Bildquelle „Eintracht Babelsberg 90“ http://www.eintracht90.de/Bilder/MannschaftZweite1112.jpg
[2] http://www.pnn.de/regionalsport/36766/
[3] http://www.tagesspiegel.de/zwei-lupenreine-hattricks/844512.html
[4] http://web.archive.org/web/20081207020708/http://infoportal-potsdam.org/halle.html
[5] http://www.pnn.de/potsdam/70064/
[6] Bildquelle http://www.flickr.com/photos/boeseraltermannberlin/6697048483/sizes/l/in/set-72157628870063121/
[7] http://www.tagesspiegel.de/berlin/brandenburg/rechtsextremismus-neonazis-mieteten-potsdamer-turnhalle-als-treffpunkt/1380926.html
[8] http://arpu.blogsport.eu/2011/12/07/potsdamer-neonazis-veroffentlichen-wieder-fotos-von-vermeintlichen-antifaschist_innen/
[9] http://arpu.blogsport.eu/2012/02/20/cheer-for-ns-potsdamer-neonazi-mario-schober/ und http://arpu.blogsport.eu/2012/02/22/neonazi-mario-schober-mehr-als-unglaubwurdig-verein-verharmlosend/