Mario Schober in der Print-Ausgabe der MAZ vom 22. Mai 2012

Ein weiteres mal wird der Neonazi Mario Schober [1] mit Bild in einer Potsdamer Tageszeitung abgebildet. Ein weiteres Mal wird die neonazistische Gesinnung Schobers nicht thematisiert, obwohl mehrere Informationen zu seinem Umfeld und seinem Verhalten bekannt sind.[2]

Die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtete in ihrer Ausgabe vom 22. Mai 2012 auf Seite 22 über einen Elfmeter, den Mario Schober nicht gehalten und so einen Sieg für den Verein verhindert hat. Dazu ist ein Bild von ihm abgedruckt.

Während andere Sportvereine halbherzig versuchen, neonazistische Tendenzen in ihren Reihen durch einen „Ehrenkodex“ zu bekämpfen, und so wenigstens thematisieren [3], verschließt sich Fortuna Babelsberg solchen Ansätzen offensichtlich vollständig. Der Verein sicherte zu, dass es „keine Probleme dieser Art“ bei ihnen gebe. „Rechtsradikalismus wird bei uns mit Sicherheit nicht geduldet“ war ein Tenor. Dass Mario Schober trotzdem als Torwart spielen kann, konterkariert diese Aussage und zeigt die offensichtliche Akzeptanz von Neonazis im Verein. Sowohl Spieler, als auch Funktionäre, scheinen sich nicht an Schober und seiner politischen Einstellung zu stören.Auch der Cheerleading Verein „PCV Potsdam Panthers e.V.“ äußerte sich ähnlich und leugnete eine Zugehörigkeit Schobers zur neonazistischen Szene.[4]
Fortuna Babelsberg sorgt weiterhin, ebenso wie die „Potsdam Panthers“, für eine schleichenden Normalisierung von menschenverachtendem Denken und Handeln im Alltag.
Lediglich der Rugbyverein „USV Potsdam“ äußerte sich über seinen Pressesprecher in einer halb-öffentlichen Erklärung in einem Rugby-Internetforum selbstständig zur Thematik. Demnach sei Schober schon mindestens zehn Jahre nicht mehr Mitglied des Vereins und eine „rechte Gesinnung“ werde „auf keinen Fall […] toleriert und jegliches Gedankengut dieser Art sofort im Keim erstickt.“ [5]

Offensichtlich ist die MAZ nicht in der Lage, andere Medien zur Recherche zu nutzen oder öffentliche Debatten in ihre Berichterstattung einzubeziehen. Das Thema „Schober“ und allgemein „Neonazis im Sport“ wurde von verschiedenen Stellen diskutiert. [6] Das hindert die MAZ augenscheinlich nicht daran, über einen bekannten Neonazi wohlwollend zu berichten.

Thomas Pecht (5. v. l.) am 13. Mai 2012 als Spieler von "Eintracht 90 Babelsberg" gegen "FSV Babelsberg 74 III"

Auch der Neonazi Thomas Pecht, der im Fußballverein „Eintracht 90 Babelsberg“ spielt [7], wird noch immer toleriert und bestreitet für den Verein weiterhin als Stürmer Spiele. Nach der Veröffentlichung über Pecht reagierte der Verein, indem er sich einem „Ehrenkodex gegen Neonazis“ verpflichtete und auf der Website des Vereins Fotos des Männer-Teams ohne Thomas Pecht veröffentlichte. Die Spieler halten darauf ein Transparent mit der Aufschrift „gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Rechtsextremismus“. Das Fehlen Pechts soll hierbei seinen Ausschluss suggerieren. Der Vereinsvorsitzende Markus Meyer äußerte sich mit „Für solches Gedankengut ist bei uns kein Platz“ und will „solche Sportler“ aus dem Verein werfen.[8] Geschehen ist dies offenbar nicht. In einem Fußballforum ist zu lesen, dass Pecht am 6. Mai 2012 bei einem Spiel gegen „Fortuna Babelsberg III“ und am 20. Mai 2012 gegen „Juventas Crew Alpha II“ ein Tor schoss [9]. Auch auf den Spielfotos die regelmäßig auf der Website von „Eintracht 90“ nach den Spielen veröffentlicht werden, ist Thomas Pecht regelmäßig zu finden, beispielsweise am 13. Mai nach einem Tor gegen den „FSV Babelsberg 74 III“[10]. Ebenso ist auf der Seite des 2. Männer-Teams Thomas Pecht noch immer im Team-Foto abgebildet. Eine deutliche Distanzierung, wie in einem Artikel der Potsdamer Neusten Nachrichten versprochen, ist nicht erkennbar. [11]

Der erwähnte „Ehrenkodex“ für Sportvereine ist oft nur eine leere Phrase. Leider verstecken sich Funktionäre und Sportler gerne hinter diesem Kodex, um jedwede Kritik zu ignorieren. So kann ein „Ehrenkodex“ ebenfalls gegen Menschen ausgelegt werden, welche sich gegen die Duldung von neonazistischen Tendenzen in Sportvereinen wehren, und die Entpolitisierung des Sports vorantreiben. Das ist jedoch genau der Nährboden auf dem Sportler wie Thomas Pecht und Mario Schober Jahrzehnte lang geduldet wurden und werden. Wir fordern eine ernsthafte, inhaltliche Auseinandersetzung und klare Abgrenzung zu neonazistischem Gedankengut.

[1] http://arpu.blogsport.eu/2012/02/20/cheer-for-ns-potsdamer-neonazi-mario-schober/
[2] siehe [1] und http://arpu.blogsport.eu/2012/02/22/neonazi-mario-schober-mehr-als-unglaubwurdig-verein-verharmlosend/
[3] http://www.pnn.de/potsdam/642628/
[4] http://www.pnn.de/potsdam/625571/
[5] http://www.totalrugby.de/component/option,com_fireboard/Itemid,31/func,view/id,7304/catid,46/#7304
[6] „Potsdam bekennt Farbe“: http://www.pnn.de/potsdam/628267/; Landessportbund: http://www.pnn.de/potsdam/628546/; Stadtsportbund: http://www.pnn.de/potsdam/642628/
[7] http://arpu.blogsport.eu/2012/03/27/thomas-pecht-volkssport-fur-die-volksgemeinschaft/
[8] http://eintracht90.de/Positionierung.html und http://www.pnn.de/potsdam/642628/
[9] http://www.forum-hvl-mitte.de/index.php?page=Thread&postID=13664#post13664 und http://www.forum-hvl-mitte.de/index.php?page=Thread&postID=14030#post14030
[10] http://eintracht90.de/Bilder/Foto%202111226.7.jpg
[11] siehe [3]