Thomas Pecht (5. v. l.) am 13. Mai 2012 als Spieler von "Eintracht 90 Babelsberg" gegen "FSV Babelsberg 74 III"

Im vergangenen Jahr lag unser Schwerpunkt auf der Problematisierung organisierter Potsdamer Neonazis im Kontext von lokalen Fußballclubs, Fan- bzw. Hooliganstrukturen wie auch anderen Sportvereinen.
Anfang dieses Jahres lässt sich durch den Rückblick auf (nicht erfolgte) Pressereaktionen und Statements der entsprechenden Vereine sowie die Betrachtung des status quo bereits konstatieren, dass sich an der Ausgangssituation nur wenig geändert hat.
Die betreffenden Neonazis sind weiterhin in den Vereinen aktiv, bestreiten für diese Spiele, Wettkämpfe und präsentieren damit ihre Vereine in der Öffentlichkeit. So schießt Thomas Pecht nach wie vor für „Eintracht 90 Babelsberg” Tore, wie zuletzt am 3. Februar in einem Testspiel [1], und Mario Schober ist stets bei öffentlichen Auftritten der „Panthers“, z.B. am 01.09.2012 im Stadtteil Stern und am 19.10.2012 in Eiche anzutreffen und auch auf der Homepage des Vereins in zentraler Stellung für das Senior-Team positioniert. [2]
Interessanterweise war dieser jedoch nicht beim Auftritt der „Panthers“ auf dem „Fest für Toleranz“ am 15.09.2012 am Hauptbahnhof anwesend. Obwohl Schober sich auch auf der anderen Seite des Hauptbahnhofs, wo die NPD eine Demonstration angemeldet hatte, nicht blicken ließ, lag beides jedoch im Rahmen des Möglichen.
Genau dieses Bild spiegelt immer noch die momentane Situation bezüglich Schober wieder und sollte sich von den Vereinsfunktionär_innen und Mitarbeiter_innen des Stadt- und Landessportbundes vergegenwärtigt werden, wenn sie sich zukünftig bezüglich dieser Thematik äußern. Denn dafür, dass sich Mario Schober mittlerweile von den von ihm bisher vertretenen menschenfeindlichen Positionen entfernt hat, existieren keinerlei Anzeichen. Wenn es ihm zuvor wichtig war, auf Demonstrationen in der Öffentlichkeit für neonazistische Einstellungen auf die Straße zu gehen, wird es ihm doch wohl möglich sein – sofern er es ernst meint – sich nun auch öffentlich zu positionieren. Aber wie bereits erwähnt, gibt es dazu bis jetzt keinen Anhaltspunkt. Seine Nicht-Positionierung kann deswegen als passives Eingeständnis seiner politischen Einstellung gesehen werden.
Ähnlich verhält es sich im Fall Thomas Pecht. Auch hier hat die Vereinsführung bisher nichts, was für eine solche Diskussion produktiv erscheint, hervorgebracht außer heißer Luft. Die als klare Positionierung lesbare Botschaft von Eintracht-Chef Meyer stellte sich bis jetzt als reine Imagepolitik heraus. [3] Denn auch hier folgten, bis auf die schriftliche Verlautbarung über ihre Internetseite, keine bemerkbaren Konsequenzen.

Waldstadt – Fahrland – Schlaatz: weitere Spielwiesen Potsdamer Neonazis

Der Neonazi Patrick Bünsch (unten links) als Spieler für die „Juventas Crew Alpha“ am 15.12.2012

Auch der dem NPD-Stadtverband sowie den „Junge Nationaldemokraten“ (JN) Potsdam und den „Freie Kräfte Potsdam“ zugehörige Potsdamer Neonazi Patrick Bünsch kickt in seiner Freizeit gerne – momentan im von ihm selbstorganisierten Rahmen mit seinen Kameraden direkt neben seinem Wohnort auf dem Kunstrasensportplatz in Waldstadt II und in der Freizeitliga im Team „Juventas Crew Alpha“ des „Jugendclub Alpha“ im Stadtteil Schlaatz. Bei dessen Weihnachsturnier, in der Turnhalle der Schule 40 am Schlaatz, nahm Bünsch, laut „Juventas Crew Alpha“-Homepage auch „Bünschi“ genannt, am 15.12.2012 teil.

Manuel Pecht (links) zusammen mit dem Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs

Der „Jugendclub Alpha“ fiel in den vergangenen Jahren des Öfteren auf, nachdem dort wiederholt Kochduelle stattfanden, in denen Oberbürgermeister Jann Jakobs mit dem Neonazi und mittlerweile wieder auf freiem Fuß befindlichen Manuel Pecht [4] Rezepte austauschte. Dies ist vor dem Hintergrund interessant, da Patrick Bünsch ebenfalls zu den Neonazis um Thomas Pecht gehörte, die ab September 2008 die Turnhalle des Schiller Gymnasiums in Potsdam Drewitz wiederholt anmieteten, um unter anderem dort die „JN“ Potsdam zu gründen. [5]

Fabian Klennert (ganz rechts) - Neonazi und gewaltaffiner Anhänger des 1. FC Union Berlin

Der Anfang Dezember 2012 beruflich nach Hamburg verzogene und dort als Lokführer tätige Potsdamer Neonazi Benjamin Oestreich spielt genauso gerne mit Freund_innen am Wochenende in Fahrland Fußball. Der Austragungsort ist entweder der öffentliche Sportplatz oder bei schlechtem Wetter die Sporthalle. Hier spielt auch Fabian Klennert mit, der der Hooligangruppierung „Crimark“ zugeordnet werden kann [6], einen Hang zu Neonazidevotionalien hat und gegnerische Fußballfans als „Juden“ bezeichnet. Dieser verkehrt, wie zuvor Benjamin Oestreich, regelmäßig im Jugendclub „Treffpunkt Fahrland“ und spielt seit 2012 im Verein „SG Bornim“ Fußball. [7]
Auch Klennerts Kumpel Paul Elm, ebenfalls Teil von „Crimark“, ist weiterhin für den Judoverein „UJKC Potsdam“ aktiv und besucht weiterhin die Sportschule Potsdam.

So ist – abseits der Diskussion um Sinn und Unsinn dieses Vorhabens – bis jetzt nicht einmal der für dieses Frühjahr angekündigte Ehrenkodex erschienen. Mit Passagen wie „Die Sportvereine treten Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit öffentlich klar entgegen.“ wird versucht, ein positives Image zu schaffen [8]. Die Realität sieht anders aus. Gewaltaffine Hooligans trainieren weiter in Sportvereinen, Neonazis engagieren sich in Fußballvereinen und Jugendclubs und nutzen städtische Turnhallen und Sportplätze.

 

[1] http://www.forum-hvl-mitte.de/index.php?page=Thread&postID=18227#post18227
[2] http://www.pantherscheerleader.de/03c1989d8a0ca4e01/03c1989d8a0f03258/index.php
[3] http://www.pnn.de/potsdam/642628/
[4] http://arpu.blogsport.eu/2012/03/27/thomas-pecht-volkssport-fur-die-volksgemeinschaft/
[5] Ebenda
[6] http://arpu.blogsport.eu/2012/05/30/gewaltromantik-trifft-auf-neonazidenken-crimark-neonazi-hools-in-rot-weis/
[7] http://www.sg-bornim.de/index.php/2012-06-13-13-55-03/a-junioren
[8] http://www.pnn.de/potsdam/703796/