Der Neonazi Martin Rollberg - aka William

Martin Rollberg – aka „William“

UPDATE
Martin Rollberg gehört spätestens seit dem Jahr 2006 zu den kontinuierlich arbeitenden Akteur_innen der Potsdamer Neonazimusikszene. Mit seinen verschiedenen Bandprojekten hat er sich in den vergangenen Jahren in der Szene etabliert, sich einen (bzw. mehrere) Namen gemacht und der Brandenburger Landeshauptstadt somit mit zu ihrem heutigen Ruf innerhalb der deutschen RechtsRockszene verholfen. Ende 2012 heißt es diesbezüglich beim Neonazilabel Rebel-Records: „Ganz Deutschland hört Rechtsrock aus Potsdam“. [1]
Das am 11. März 1985 geborene „Multitalent“ begann im Jahr 2004 seine musikalische Karriere und orientierte sich dabei, bis heute, inhaltlich fast ausschließlich am Nationalsozialismus und seinen Ausprägungen nach 1945. Die von ihm besungenen Themen reichen von Liedern über Kameradschaft und Soldatentum, der Verherrlichung und Verharmlosung des NS, Feindbilder von politischen Gegner_innen, antisemitischen und rassistischen Projektionen, bis hin zu emotionaleren und persönlicheren Themen wie Beziehungen und Vaterschaft. Er begann sein Musikprojekt als Einzelperson. Dabei sang er und spielte alle Instrumente für seine Songs selbst ein. Seit 2008 ist er auch mit (s)einer Band auf Konzerten unterwegs. In letzter Zeit versucht er sich auch in Fotografie und Bildbearbeitung.

Die Karriere eines Neonazi-Musikers

Martin Rollberg veröffentlichte erstmals Ende 2004 auf dem so genannten Solidarität Sampler den Titel „Zeig‘ dich“. Zu dieser Zeit orientierte er sich klassischerweise am in der Potsdamer RechtsRockszene gängigen R.A.C. („Rock against Communism“). Doch nicht nur musikalisch war Rollberg zu dieser Zeit als Neonazi erkennbar, auch äußerlich orientierte er sich zu diesem Zeitpunkt am Neonaziskinhead-Stil.
Im Jahr 2006 erschien dann seine erste Demo-CD mit dem Titel Die Söhne Potsdams (DSP). Diese gab er nun unter dem Namen Cynic, zusammen mit der Band Redrum, das englisch Wort „murder“ rückwärts geschrieben, heraus, in der er ebenfalls spielte.

Die Band "Redrum" im Booklet des DSP-Sampler 2006; links Martin Rollberg

Die Band „Redrum“ im Booklet des DSP-Sampler 2006; links Martin Rollberg

Im Jahr darauf folgte dann die zweite Ausgabe der Die Söhne Potsdams-Reihe (DSP II) als Split-CD. Beteiligt daran waren auch die Potsdamer Bands Lost Souls und Bloodshed. Letztere ist eines der Bandprojekte von Uwe Menzel, in dem auch Rollberg mitspielt. Das Potsdamer RechtsRock-Urgestein Menzel (Geboren 1973) erprobte sich im Alter von 20 Jahren als Musiker und wurde später mit seiner Band Proissenheads, in der er bis 2001 aktiv war, bekannt. In der Neonaziszene trägt er den Spitznamen Uwocaust. Die begriffliche Nähe zum Holocaust ist bewusst gewählt und später in seinem Künstler_innennamen aufgegangen. Unter dem Namen Uwocaust und alte Freunde gibt er seit 2009 zudem zahlreiche Songs auf bisher drei Alben, einer EP und mehreren Split-CDs sowie Samplern heraus.

Am 07. Februar 2008 kam es im Zuge von Ermittlungen gegen Martin Rollberg und seinen Bandkollegen von Redrum zu Hausdurchsuchungen bei ihm, einem Bandkollegen und ihres gemeinsamen Proberaums in Bergholz-Rehbrücke. Laut LKA wurden dabei DVDs, CDs und mehrere Computer sowie mehrere Patronen für ein Sturmgewehr beschlagnahmt. Grund für die Durchsuchungen war ein volksverhetzender Coversong der Neonazi-Band Landser. Der von Redrum gecoverte Song, laut einem Urteil des Amtsgerichts Pinneberg erfüllt er den Tatbestand der Volksverhetzung, befand sich auf der DVD, die unter anderem bei Martin Rollberg beschlagnahmt wurde. [2]
Im August 2008 erschien das erste Album von Martin Rollberg als Cynic mit dem Titel Wach endlich auf. Außerdem steuerte er zwei Titel für den Berlin-Brandenburg 2-Sampler bei. Seit diesen Veröffentlichungen gilt er innerhalb der Neonaziszene als „fester Bestandteil der höherwertigen Rockszene“, wie es beim RechtsRock Blog Punikoff heißt. [3]

Die Band "Cynic" in ihrem Proberaum 2008

Die Band „Cynic“ in ihrem Proberaum 2008

Am 31. Oktober 2008 spielte Cynic zusammen mit der Potsdamer RechtsRock-Band Preussenstolz und zwei weiteren Bands in Genthin vor ca. 100 Neonazis ein Konzert in der Tanzbar Neue Welt, welches als Privatfeier getarnt wurde und mit einem Polizeieinsatz endete. [4] Ein weiterer Auftritt fand am 18. Juli 2009 in Berlin mit den Bands White Law (UK) und Propaganda (Horb/Baden-Würrtemberg) statt. Im gleichen Jahr ist Rollberg dann mit Cynic und Bloodshed erneut auf dem Die Söhne Potsdams-Sampler (DSP III) zu hören. Erstmals sind auch die Nachwuchsmusiker_innen von Preussenstolz auf der Veröffentlichung vertreten. [5]

Im Gründungsjahr 2007 der Band Preussenstolz gab Rollberg den anderen Mitgliedern Hilfestellung beim Erlernen ihrer Musikinstrumente. Anfänglich übernahm er sogar den Gesang für die Band. Bei einem ihrer ersten Konzerte im November 2007 sang William, wie Rollbergs Pseudonym in der RechtsRockszene lautet, für Preussenstolz.

Drei Jahre später, im Jahr 2010, erschien dann das zweite Album von Cynic mit dem Namen Rock. In diesem präsentieren sich Cynic nunmehr mit mittlerweile fünf Bandmitgliedern.
Anfang 2011 erstellte Martin Rollberg dann einen Youtube-Kanal mit dem Namen DSP1933. Da Rollberg das Angebot auf dem Channel, im Gegensatz zu anderen DSP-Akteur_innen, mit seinen Projekten klar dominiert, er diesen für seine Promotion und sonstige Selbstdarstellung nutzt und er bei allen vier Ausgaben der DSP-Reihe als Cynic vertreten war, können Die Söhne Potsdams erkennbar als sein Projekt gelten.
Im März sorgte Rollberg dann mit einem für die RechtsRockszene eher ungewöhnlichen Projekt für Aufsehen. Unter dem Pseudonym Natürlich veröffentlichte er eine CD, die in der Presse unter dem Begriff „NS-Hip-Hop“ verhandelt wurde. Die mit menschenverachtenden Inhalten im Sprechgesang eingesungenen Haus-Maus-Reime haben jedoch aus rassismuskritischer Perspektive mit Hip-Hop, als ursprünglich schwarzer und widerständiger Subkultur deprivilegierter Schichten, ungefähr soviel zu tun wie Rollberg und emanzipatorische Rhymes.
Ebenfalls 2011 platzierte er noch zwei Songs auf dem Sampler Tribute to Triebtäter, der als Erinnerung an die Süddeutsche RechtsRock Band Triebtäter veröffentlicht wurde.

Das Jahr 2012 war, was den Output von Tonträgern angeht, ein äußerst produktives Jahr für Martin Rollberg. Es erschien die vierte Ausgabe seiner Die Söhne Potsdams-Reihe (DSP IV). Diesmal steuerten, neben Cynic, erneut Preussenstolz und Redrum Songs bei. Neu dabei waren Uwocaust und alte Freunde und die Band Strongside.

Martin Rollberg als "Handstreich"

Martin Rollberg als „Handstreich“

In Folge eines Rechtsstreits mit einer gleichnamigen Band änderte Martin Rollberg seinen Künstlernamen von Cynic zu Handstreich. Dieser Name wurde im neonazistischen Internetforum Thiazi nach einem Aufruf zur Namensfindung angenommen. Rollberg führte zwischenzeitlich auch den Namen Glaskammer. Eine phonetische und begriffliche Nähe zur „Gaskammer“ wird dabei nicht zufällig gewesen sein.
Im März veröffentlichte er dann unter dem neuen Namen Handstreich erst eine Promo-CD und anschließend sein drittes Album Wettlauf gegen die Zeit.
Neben seinen CD-Projekten schaffte Rollberg es dennoch auch, Konzerte zu spielen. Ein Auftritt führte ihn beispielsweise am 05. Mai 2012 nach Leinefelde (Thüringen) zum sogenannten Eichsfelder Heimattag der NPD. Dort spielt er Gitarre in der Band Tätervolk und wurde von dieser bei seinen Songs begleitet.

Martin Rollberg als Gitarrist für "Tätervolk" auf dem "Eichsfelder Heimattag" der NPD 2012

Martin Rollberg als Gitarrist für „Tätervolk“ auf dem „Eichsfelder Heimattag“ der NPD 2012

Im Jahr 2013 veröffentlichte Rollberg zusammen mit dem süddeutschen Neonazimusiker Disszensiert, der zuvor ebenfalls einen Namenswechsel aufgrund eines ähnlichen Rechtsstreits hatte, das gemeinsame CD-Projekt Disszensierter Handstreich beim Neonazilabel Oldschool Records. Hierbei wurden sie von den beiden Szenegrößen Michael Regner, Sänger der als kriminelle Vereinigung verbotenen Band Landser, und Marci, dem Sänger der Neonaziband Tätervolk, gesanglich unterstützt.
Seine aktueller Output ist auf dem im Januar 2014 erschienenen Sampler Solidarität V zu hören. Auch hier spielte er wieder gemeinsam mit der Band Tätervolk, für die er schon vorher über den DSP-Kanal mit einem Promo-Snippet Werbung für deren demnächst erscheinende CD Musikkrieg machte.
Zusammen mit seiner Band arbeitet Rollberg zur Zeit als Handstreich an einem neuen Album, das er unter anderem mit einem Video aus dem Aufnahmestudio über seinen Youtube-Kanal bewirbt.

Martin Rollberg aka Marti Milhouse und William-Art

Martin Rollberg auf einem Banner für sein Projekt "Marti Milhouse Photography"

Martin Rollberg auf einem Banner für sein Projekt „Marti Milhouse Photography“

Anfang 2014 intensivierte Rollberg ebenfalls seine Versuche sich künstlerisch, über die Musik hinaus zu betätigen. Seit kurzem ist er unter dem Pseudonym Marti Milhouse Photography [6] auf der Internetseite model-kartei [7] zu finden. Dort präsentiert er einige seiner Arbeiten und sucht nach Aufträgen. Unter dem selben Pseudonym führt er auch eine Facebook-Seite, auf der er ebenfalls seine Fotos hochlädt und für sich Werbung macht. Bei einer der fotografierten Personen handelt es sich um die bekannte Potsdamer Neonazistin Melanie B. Eine weitere Facebook-Präsenz, auf der zum Teil dieselben Fotos veröffentlicht werden, läuft unter dem Namen Rollberg Photography [8] und zeigt sowohl seine als auch die Bilder seines Bruders L. Rollberg.

"William-Art" mit einem bearbeitet Foto für "Handstreich" - Frühjahr 2014

„William-Art“ mit einem bearbeitet Foto für „Handstreich“ – Frühjahr 2014

Die Fotos, die Martin Rollberg, aka William, macht, werden zum Teil von ihm selbst bearbeitet und unter dem Namen William-Art auf die Facebook-Seite seiner Band Handstreich gestellt. [9]

Eine Dekade Rollberg-Rechtsrock

Seit mindestens zehn Jahren macht und veröffentlicht Martin Rollberg nun RechtsRock und konnte sich in dieser Zeit ungestört und unerkannt in Potsdam bewegen. Als Ein-Personen-Projekt gestartet, konnte er in kurzer Zeit seinen Einfluss und Bedeutung für die Potsdamer und bundesweite neonazistische Musikszene enorm ausbauen. Dies zeigen unter anderem seine Kollaborationen mit verschiedenen Musikprojekten, seine zahlreichen Beiträge für RechtsRock-Sampler, drei veröffentlichte Alben und mehrere Songs für Split-Alben. Auch seine Mentor-Rolle für die Nachwuchsmusiker_innen von Preussenstolz verdeutlicht seine wichtige Stellung in der regionalen neonazistischen Musikszene.
Bisher unter bürgerlichen Namen unbekannt, konnte er über mindestens 10 Jahre unbeschwert seine Projekte verfolgen. Es ist höchste Zeit, dass sich dies ändert und andere Saiten für Martin Rollberg aufgezogen werden.

Martin Rollberg - aka "William

Martin Rollberg – aka „William“

Diskografie:
2004 Sampler „Solidarität“ als Cynic
2006 Demo-CD „DSP“ Cynic, Redrum
2007 Split-CD „DSP II“ von Cynic, Lost Souls, Bloodshed
2008 Album „Wach endlich auf“ von Cynic
2008 Sampler „Berlin-Brandenburg 2“ – als Potsdamer
2009 Split-CD „DSP III“ von Cynic, Preussenstolz, Bloodshed
2010 Album „Rock“ von Cynic
2011 CD von Natürlich
2011 Sampler „Tribute to Triebtäter“ als Cynic
2012 Sampler „DSP IV“ von Cynic, Preussenstolz, Redrum, Uwocaust und alte Freunde, Strongside
2012 Handstreich – Promo-CD
2012 Album „Wettlauf gegen die Zeit“ von Handstreich
2012 Sampler „Solidarität IV“ als Handstreich
2013 EP „Traditio schlägt jeden Trend“ von Disszensierter Handstreich
2014 Sampler „Solidarität V“ als Handstreich & Tätervolk

[1] http://www.rebel-records.com/index.php?section=schallplatten&ur=P
[2] http://www.pnn.de/potsdam/9559/ – erschienen am 08. Februar 2008
[3] http://punikoff.wordpress.com/2012/08/22/handstreich-promo2012/
[4] http://arpu.blogsport.eu/2011/02/26/neonazistisch-musikalisches-treiben-in-potsdam/
[5] http://arpu.blogsport.eu/2011/02/26/neonazistisch-musikalisches-treiben-in-potsdam/
[6] https://www.facebook.com/MartiMilhousePhotograhpy
[7] http://www.model-kartei.de/portfolios/photographer/336482/marti-milhouse-photography/
[8] https://www.facebook.com/RollbergPhoto
[9] https://www.facebook.com/pages/Handstreich-Offizielle-Bandseite/247550388685266

UPDATE – 8. Mai 2014
Martin Rollberg hat nach Erscheinen des Berichtes über ihn die Facebook-Seiten Rollberg Photography und Marti Milhouse Photography sowie die entsprechende Seite bei Model-Kartei gelöscht. Ebenso löschte er den Youtube-Kanal DSP1933. Lediglich die Facebook-Seite seiner Band Handstreich ist noch zu erreichen. Dort löschte er jedoch alle Bezüge zu seinem Projekt William Art, sowie weitere Posts.