Reaktion von Fortuna Babelsberg ist symptomatisch

Der Verein Fortuna Babelsberg, der wegen integrierten Neonazis in seinem Vereinsleben erneut in Kritik geraten ist, reagiert, nicht überraschend, mit Abwehr, Dethematisierung und leider auch viel Trotz. Eine denkbar schlechte Ausgangssituation für einen kritischen und dem Thema angemessenen, ernsthaften Dialog.
Einem Presse-Artikel vom Donnerstag, der die vorgebrachte Kritik aufnimmt und bestätigt, dass der Verein „schon mehrmals in der Kritik, eine Nähe zur rechtsextremen Szene zu haben“, stand, ist zu entnehmen, dass dieser in einer Sondersitzung des Vorstands die Vorwürfe behandeln und anschließend eine Presseerklärung abgeben werde. [1]
Dies geschah dann am Donnerstag Abend. Unter dem Titel „Fortuna gegen rechts“ bestätigte sich einmal mehr die Unfähigkeit des Vereinsvorstandes sowie seines Vorsitzenden Hartmut Domagala Selbstkritik zu üben, geschweige denn die benannten Neonazis des Vereins zu verweisen. So sehen sie ihren „Verein negativ dargestellt“ und wollen sich dagegen „wehren“, da sie „fussballspielenden Jugendlichen und Erwachsenen verschiedener Hautfarben und Nationalitäten seit Jahren im Verein eine Bindung und Heimat geben.“ [2] [weiterlesen]

Verstrickungen ins neonazistische Milieu – Fortuna Babelsberg bewegt sich nicht

Andre Hartmann ist Trainer des F3-Junioren-Teams bei Fortuna Babelsberg - und vertritt offen rassistische und neonazistische Ideologie.

Andre Hartmann ist Trainer des F3-Junioren-Teams bei Fortuna Babelsberg – und vertritt offen rassistische und neonazistische Ideologie.

In wenigen Tagen soll es zur fußballerischen Begegnung zwischen Fortuna Babelsberg III und Welcome United 03 kommen. Die Stadt Potsdam bewirbt das Spiel der Kreisklasse C, welches am Sonntag den 18. Oktober um 11.30 Uhr auf dem Stern-Sportplatz in der Newtonstraße 8 stattfinden soll, als gelungenes Beispiel der Integration. Auch Oberbürgermeister Jann Jakobs hat sein Kommen angekündigt. [1]

Seit knapp vier Jahren ist jetzt bekannt, dass mit Mario Schober ein stadtbekannter Neonazi für Fortuna Babelsberg spielt und für das zweite Team der Männer im Tor steht. Über ihn und seine als auch die Aktivitäten von anderen Neonazis in Potsdamer Sportvereinen gab es in den folgenden Jahren mehrere Veröffentlichungen. [2]
Anstatt aber die dadurch angeregte Debatte ernsthaft zu führen, sich mit Neonazis in Vereinen und neonazistischer Ideologie in der Gesellschaft auseinanderzusetzen, rief die Stadt Potsdam für das Jahr 2015 die Kampagne „Potsdam bewegt sich!“ aus. Aus antifaschistischer Perspektive hat sich bisher jedoch gar nichts bewegt. Das ist wenig verwunderlich, hat doch die Stadt Potsdam, und insbesondere Jann Jakobs, mit sogenannter akzeptierender Jugendarbeit in der Vergangenheit erst dafür gesorgt, dass sich neonazistische Strukturen etablieren konnten – schließlich konnte in den Neunzigern, unter Jakobs Ägide als Jugendamtsleiter, in einem Förderprogramm zur Integration von rechten Jugendlichen eine der beliebtesten RechtsRockBands („Proissenheads“) zu ihrem Karriereanfang ungehindert in einem Potsdamer Jugendclub proben und in Fahrland wurde in den 2000er Jahren durch den Jugendclub Treffpunkt Fahrland e.V. und den Leiter Thomas Liebe das Wachsen einer neonazistischen Struktur im Potsdamer Norden ermöglicht.
Ähnlich wie damals ist bisher außer Beschwichtigungen, Ausweichmanövern und Dethematisierungen nichts geschehen. Ein deutlich schlechter Zwischenstand für eine Stadt, die sich gern als weltoffen und tolerant darstellt.

Innerhalb des Vereins Fortuna Babelsberg ist es nach unseren bisherigen Recherchen nicht nur Mario Schober, der rassistische und neonazistische Inhalte vertritt. Weitere Mitglieder, Trainer und Vorstandsmitglieder weisen eine gefährliche Nähe zu Neonazis oder ihrer Ideologie auf – oder vertreten diese ganz offen. [weiterlesen]

Neonazistin Melanie Witassek reagiert wie erwartet

Die Facebook-Seite von Melanie Witassek aka "Charlotte Friedrich" nur wenige Stunden nach der ersten Veröffentlichung über ihren neonazistischen Hintergrund - klare Ansage durch Model mit Stinkefinger.

Die Facebook-Seite von Melanie Witassek aka „Charlotte Friedrich“ nur wenige Stunden nach der ersten Veröffentlichung über ihren neonazistischen Hintergrund – klare Ansage durch Model mit Stinkefinger.

Am 23. September 2015 veröffentlichten wir Informationen über die Auftragsfotografin „Charlotte Friedrich“. [1] Unter diesem Pseudonym ist die Potsdamer Neonazistin Melanie Witassek seit spätestens März 2012 tätig. Witassek ist darüberhinaus jedoch auch seit spätestens 2001 in der Potsdamer Neonaziszene aktiv und beteiligte sich seitdem an Einschüchterungsversuchen gegenüber alternativen Jugendlichen sowie an gewalttätigen Angriffen auf Antifaschist_innen. Weiterhin gehört seit ihren Anfängen in dieser Szene die sogenannte Anti-Antifa-Arbeit zu ihren Aktionsfeldern. [2]
Wenige Stunden nach unserer Veröffentlichung hat sie nun einige Änderungen auf ihren Facebook-Seiten vorgenommen. Es sind sämtliche Bilder ihres Partners Mirko Kubeler und ihrer Kinder gelöscht worden. Ebenso viele Bilder, auf denen sie selbst sowie ihre Tättowierungen zu sehen waren. Dennoch sind einige Bilder, auf denen sie zu sehen ist, geblieben. Zusätzlich postete sie ein bereits zuvor von ihr veröffentlichtest Bild, auf dem eine Person einen Mittelfinger zeigt. Ein erstes klares Statement auf die Veröffentlichung über sie. [weiterlesen]

Von Anti-Antifa- zur Babyfotografin – Melanie Witassek aka „Charlotte Friedrich“

Melanie Witassek aka "Charlotte Friedrich" wie sie sich für ihre Facebookseite als nette Baby-Fotografin inszeniert.

Melanie Witassek aka „Charlotte Friedrich“ wie sie sich für ihre Facebookseite als nette Baby-Fotografin inszeniert.

Schlafende (weiße) Babys, strahlende (blauäugige) Kleinkinder, glückliche (heterosexuelle) Hochzeitspaare und weichgezeichneter Kitsch ohne Ende – so der erste Eindruck beim Besuch der Facebook-Seite der Auftragsfotografin „Charlotte Friedrich“. [1]
Unter diesem Pseudonym arbeitet die Neonazistin Melanie Witassek (geboren 1985) nun seit mindestens dreieinhalb Jahren in Potsdam, Berlin und Umgebung.
Im Frühjahr 2001 – im Alter von 15 Jahren – wird sie im Zuge der Veröffentlichung einer Studie der Universität Potsdam zu rassistischen Einstellungen in den neuen Bundesländern von einem Journalisten interviewt. Dadurch wird sie erstmals einer interessierten Öffentlichkeit bekannt. Bereits damals äußerte sie sich rassistisch, als sie angab jeglichen Kontakt zu „Fremden“ zu meiden und weiter: „They’re different,“ she said. „There are too many of them here. I don’t like them.“ [2]

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Lukas Franz: Organisierter Neonazi in der „Sportgemeinschaft Töplitz 1922 e.V.“

Lucas Franz, dritter von rechts mit Kapuze und Sonnenbrille, am 25. März 2012 auf einer spontanen neonazistischen Kundgebung in Grube

Lukas Franz, dritter von rechts mit Kapuze und Sonnenbrille, am 25. März 2012 auf einer spontanen neonazistischen Kundgebung in Grube

UPDATE

Erster Auftritt…
Der in Alt-Töplitz wohnende Lukas Franz bewegt sich seit ungefähr drei Jahren in der organisierten Neonaziszene der Landeshauptstadt Potsdam. Erstmals für Antifaschist_innen sichtbar trat er am 25. März 2012 zusammen mit weiteren Potsdamer Neonazis bei einer Neonazikundgebung im Ortsteil Potsdam-Grube, dem Wohnort des Ladenvermieters des Geschäftes „Tønsberg“, auf. Die Kundgebung wurde von Potsdamer Neonazis als Reaktion auf eine Demonstration gegen das „Thor Steinar“-Geschäft in Weißensee organisiert.

Unter den rund 30 Teilnehmenden befanden sich neben Lukas Franz, der sich zu diesem Zeitpunkt noch vermummte und eher im Hintergrund hielt, auch sein in Alt-Töplitz wohnender Kamerad Philipp Hinzmann. Mit ihnen wohnte außerdem ein wichtiger Teil der organisierten Neonaziszene Potsdams der Kundgebung bei. Neben Gabor Grett, Benjamin Oestreich, Lars Wickner und Patrick Danz nahmen auch Max Seidel, die Brüder Marco und Dennis Helmstedt sowie Tim Borowski an der Kundgebung teil. [1] [weiterlesen]

„Potsdam bewegt“ sich nicht – Potsdamer Sportvereine und ihre Neonazis

Thomas Pecht (Bildmitte) am 2. März 2014 als Stürmer für die "SG Eintracht 90 Babelsberg"

Thomas Pecht (Bildmitte) am 2. März 2014 als Stürmer für die „SG Eintracht 90 Babelsberg“

Für das Jahr 2015 widmet die Landeshauptstadt Potsdam ihre Jahreskampagne – unter dem Motto „Potsdam bewegt“ – dem Sport. Sport sei wichtig für die Lebensqualität der Stadt und außerdem habe Potsdam viel zu bieten auf diesem Gebiet, heißt es in der Selbstbeschreibung. [1]
Auch aus antifaschistischer Perspektive eine interessante Sache, hatte Potsdam in den letzten Jahren doch tatsächlich einiges zu bieten – allerdings nicht so, wie die Köpfe hinter der Kampagne „Potsdam bewegt“ sich das gedacht haben. Wir fingen Anfang 2012 an, über verschiedene Potsdamer Neonazis in unterschiedlichen Sport-, meist in Fußballvereinen, zu berichten. Bereits in den Jahren zuvor berichtete das Antifaschistische Pressearchiv Potsdam in seinen Jahresberichten von Neonazi-Fußballturnieren, an denen sich Potsdamer Neonazis beteiligten oder diese selbst organisierten. [2] [weiterlesen]

NPD-Kader als Mitarbeiter der Universität Potsdam

Steve Schmidt (li.) am 19. April 2014 in Gransee

Steve Schmidt (li.) am 19. April 2014 auf einer NPD-Kundgebung in Gransee

Studierende der Universität Potsdam können sich in der Bibliothek Bücher bei einem Neonazi ausleihen. Der NPD-Kader Steve Schmidt geht in der Universitätsbibliothek einer Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste nach. Eingesetzt wurde er mindestens an den Standorten Neues Palais und Golm.
Den schulischen Teil absolviert er am Oberstufenzentrum Bürowirtschaft und Verwaltung „Louise-Schroeder-Schule“ in Berlin.

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Neue Mailadresse!

Wir haben eine neue Mailadresse!

unsere neue E-Mail lautet: arpu [@] riseup.net

dazu gibt es auch einen neuen GPG-Key

Am Besten schreibt ihr uns eine Mail, die ihr mit unserem GPG-Key verschlüsselt. Eine ausführliche Anleitung zur Mail-Verschlüsselung mit PGP/GPG findet ihr hier: http://hp.kairaven.de/pgp/gpg/index.html

Wenn Ihr kein PGP/GPG besitzt könnt ihr uns trotzdem auf sicherem Wege erreichen. Wissen über das Verschlüsseln von E-Mails muss nicht vorhanden sein.
weitere Informationen unter Kontakt

William, Cynic, Natürlich, Glaskammer, Handstreich, … – Portrait des Potsdamer Neonazimusikers Martin Rollberg

Der Neonazi Martin Rollberg - aka William

Martin Rollberg – aka „William“

UPDATE
Martin Rollberg gehört spätestens seit dem Jahr 2006 zu den kontinuierlich arbeitenden Akteur_innen der Potsdamer Neonazimusikszene. Mit seinen verschiedenen Bandprojekten hat er sich in den vergangenen Jahren in der Szene etabliert, sich einen (bzw. mehrere) Namen gemacht und der Brandenburger Landeshauptstadt somit mit zu ihrem heutigen Ruf innerhalb der deutschen RechtsRockszene verholfen. Ende 2012 heißt es diesbezüglich beim Neonazilabel Rebel-Records: „Ganz Deutschland hört Rechtsrock aus Potsdam“. [1]
Das am 11. März 1985 geborene „Multitalent“ begann im Jahr 2004 seine musikalische Karriere und orientierte sich dabei, bis heute, inhaltlich fast ausschließlich am Nationalsozialismus und seinen Ausprägungen nach 1945. Die von ihm besungenen Themen reichen von Liedern über Kameradschaft und Soldatentum, der Verherrlichung und Verharmlosung des NS, Feindbilder von politischen Gegner_innen, antisemitischen und rassistischen Projektionen, bis hin zu emotionaleren und persönlicheren Themen wie Beziehungen und Vaterschaft. Er begann sein Musikprojekt als Einzelperson. Dabei sang er und spielte alle Instrumente für seine Songs selbst ein. Seit 2008 ist er auch mit (s)einer Band auf Konzerten unterwegs. In letzter Zeit versucht er sich auch in Fotografie und Bildbearbeitung. [weiterlesen]

aus Hinter den Kulissen 3 – Regionalbericht Potsdam

HINTER DEN KULISSEN 3

Hinter den Kulissen #3

„Regionalbericht Potsdam“, entnommen aus der aktuellen Ausgabe der antifaschistischen Recherche-Zeitschrift HINTER DEN KULISSEN 3. Alle Hervorhebungen wie im Original.

Die Broschüre ist auf antifa-berlin.info herunterzuladen. In gedruckter Form findet ihr sie auch in einigen Linken Buchläden und anderen Lokalitäten.

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Die Landeshauptstadt Brandenburgs schmückt sich mit dem Selbstbild der toleranten Stadt und beruft sich dabei häufig auf das Potsdamer Toleranzedikt von 1685. Eine Image-Kampagne versucht diesen Erlass immer wieder zu betonen. Einher geht dies mit einer Glorifizierung des Preußentums auf allen Ebenen. Die „Langen Kerls“ (Fritz‘ Lieblings Männerbund) werden wieder zum Leben erweckt, um stramm zu stehen und der Landtag wartet gespannt auf seine neue Residenz in Potsdams Mitte – dem Stadtschloss. Der positive Rückbezug auf die eigene Geschichte steht hier im Vordergrund und soll der Stadt eine Identität verleihen, die Toleranz hervorhebt und sich dabei auf die traditionellen (preußischen) Wurzeln bezieht. [weiterlesen]



Auf diesem Blog werden wir in unregelmäßigen Abständen über die Potsdamer Neonaziszene berichten.
Dabei wird es neben ihren Protagonist_innen, Strukturen und Aktivitäten auch immer wieder um ihre Rolle im Brandenburger Kontext, sowie darüber hinaus, gehen.

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